Story

Portrait der beiden Lernenden Vera & Simon

Vera und Simon haben sich für die Grundausbildung Zeichner/in EFZ entschieden. Während Vera im 4. Lehrjahr bereits weitgehend eigenverantwortlich arbeitet, darf auch Simon bereits im 1. Lehrjahr einfache Projekte selbstständig zeichnen. Im Portrait erzählen die beiden von ihrem Arbeitsalltag.

Portrait Vera, 20, im 4.Lehrjahr: «Als Zeichnerin Ingenieurbau bin ich auch Planerin»:

Wenn Vera ihren Beruf mit anderen Fachrichtungen vergleicht, schätzt sie vor allem die grosse Eigenverantwortung. Insbesondere im Tiefbau darf sich Vera auch mal auf ihr eigenes Können verlassen, statt nur Vorgaben umzusetzen. Zum Beispiel bei einer Nebenstrasse. «Es sagt mir niemand, wie die Strasse genau verlaufen muss», erklärt die junge Berufsfrau – und fügt augenzwinkernd an: «Klar, ich darf keine unnötigen Schlaufen planen, weil ich gerade Lust darauf habe. Ich muss mich an Normen und Vorschriften halten, und die schränken meine Kreativität natürlich ein.» Bei einfacheren Projekten arbeitet Vera also weitgehend selbstständig. Anders sieht es aus, wenn eine Hauptstrasse oder ein Hochhaus gebaut wird. Da ist die angehende Zeichnerin Ingenieurbau Teil eines Teams und setzt die Vorgaben von Bauingenieur und – bei Hochbauten – auch der Architektin um. Denn: «Ein Bauwerk wie eine Brücke, eine Seilbahn oder ein Hochhaus erlaubt keinen Fehler.» Eine riesige Verantwortung, die nur ein eingespieltes Team tragen kann. Welche Rolle spielt die Zeichnerin Ingenieurbau darin?


Was die Zeichnerin macht

Vera erklärt ihren Beruf anhand eines Beispiels aus dem Hochbau: Ein Haus wird gebaut. Der Architekt und die Bauherrschaft besprechen, wie das Gebäude aussehen soll, die Zeichnerin Fachrichtung Architektur macht darauf erste Pläne. Für die Berechnung der Tragkonstruktion gehen die Pläne ins Ingenieurbüro – und jetzt kommt Vera ins Spiel: Sie zeichnet am Computer den Schalungsplan. Schalungen sind Negativformen, in die später der flüssige Beton eingegossen wird und aushärtet. Der Schalungsplan bestimmt also, wo die Decken und Wände des Gebäudes hingehören. Die Pläne gehen zur Kontrolle an den Architekten und anschliessend zeichnet Vera den Bewehrungsplan. Bewehrungen machen das Gebäude stabil. Die Pläne die Vera zeichnet gehen anschliessend direkt auf die Baustelle wo sie umgesetzt werden: Dort hat der Polier die Verantwortung. Sobald der Polier auf der Baustelle fertig ist, gibt er per Telefon an Vera Bescheid. Sie geht daraufhin auf die Baustelle und kontrolliert, ob die Ausführung den Plänen entspricht, die sie gezeichnet hat.


Viel am PC

Im ersten Lehrjahr konnte sich Vera kaum vorstellen, dass sie diese komplexen Pläne je einmal selber zeichnen wird. «Als ich das erste Mal einen Bewehrungsplan in den Händen gehalten habe, sah ich nur Linien.» Mittlerweile könne sie mit den Maurern prima fachsimpeln, lacht die 20-Jährige. Aber: «Ich arbeite vorwiegend vor dem PC. Es ist ein sehr kopflastiger Job.» Als Ausgleich treibt Vera viel Sport und trifft sich mit Freunden. Vera macht in Kürze die Lehrabschlussprüfung und schliesst dann die Berufsmaturitätsschule ab, die sie seit dem zweiten Lehrjahr besucht. Sie möchte gerne einmal an die Fachhochschule. Welche Studienrichtung, lässt die junge Frau noch offen. Was sie aber schon weiss: «Ich will selber einmal Chefin sein.»


Portrait Simon, 16, im 1. Lehrjahr: «In diesem Beruf braucht man viel Ausdauer»

«Das Coolste, das ich bisher machen drurfte, war ein 3D-Modell»: Simon zeigt am Computer, was er konstruiert und gezeichnet hat. Und das sieht wirklich cool aus. Es ist das dreidimensionale Modell eines «Geschiebesammlers» — ein Bauwerk, das vor Hochwasser schützt. Das Ingenieurbüro, in dem er die Ausbildung absolviert, bearbeitet viele Tiefbauprojekte. Häufig plant das Büro Bachverbauungen: Damit werden natürliche Bachläufe korrigiert – etwa um Überschwemmungen zu vermeiden. Auf der anderen Seite planen sie auch so genannte Renaturierungen, dann erhalten verbaute Bäche wieder ihren natürlichen Lauf. Simon schätzt an seinem Beruf, dass er Resultate sieht: «Ein fertiges Projekt kann ich draussen anschauen.» Draussen ist er auch, wenn er den Ist-Zustand eines Bauplatzes überprüft. Je nach Projekt ist es nämlich nötig, dass er den Ort des Geschehens zuerst vermisst – ähnlich wie ein Geomatiker. Dazu benutzt Simon Geräte wie GPS, Tachymeter und Reflektor, mit denen er Fixpunkte bestimmen sowie Höhenunterschiede, Strecken und Winkel messen kann. Aufgrund dieser Daten kann Simon einen Plan erstellen.


Pläne korrigieren

Manchmal ergeben sich in einem Projekt Änderungen – und der Plan muss angepasst werden. Dann gehört es zu Simons Aufgaben, einen aktualisierten Plan mit dem «Korrex», also dem Exemplar mit den eingetragenen Korrekturen, zu vergleichen. Eine andere Situation: Es liegen mehrere Pläne vom gleichen Projekt vor, etwa ein Querprofil und ein Längenprofil. Die angegebenen Zahlen – zum Beispiel Höhenmeter – müssen übereinstimmen. Falls nötig, rechnet Simon die Zahlen mit dem Taschenrechner nach. Eine knifflige Arbeit, die höchste Konzentration erfordert. «In meinem Beruf muss man Zahlen und Mathe mögen. Es braucht Ausdauer und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen», sagt Simon. Ausserdem sollte man gerne am PC arbeiten – denn auch wenn Simon manchmal draussen tätig ist, so spielt sich die meiste Zeit seines Berufsalltags vor dem Computer ab. In der Berufsfachschule, die Simon zwei Tage pro Woche besucht, kommt der 16-jährige gut mit. «Vielleicht mache ich später die Berufsmatura, aber das lasse ich noch offen.»

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